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Senioren und Menschen mit Schwerbehinderung

CarSharing bezeichnet, nach Angaben des Bundesverbandes „CarSharing“, die gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen. 1) Auch für Menschen mit Behinderung und Senioren stellt die Möglichkeit des CarSharing eine Altnative zur Erhöhung der Mobilität dar. Nach dem „Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention“ soll es ermöglicht werden, „(…) dass Menschen mit und ohne Behinderungen von Anfang an gemeinsam in allen Lebensbereichen selbstbestimmt leben und zusammenleben. Auf Basis des Grundsatzes gleichberechtigter Teilhabe werden für Menschen mit Behinderungen die gleiche Qualität und der gleiche Standard in den jeweiligen Lebensbereichen erwartet, der auch für Menschen ohne Behinderungen gilt. (…).“ 2) Mit Hilfe des CarSharing besteht die Chance, diesen Anspruch des Nationalen Aktionsplans und damit analog der UN-Behindertenrechtskonvention im Bereich der Mobilität gerecht zu werden. Eine Umsetzung diesbezüglich geschieht derzeit beispielsweise im Rahmen eines einzigartigen Modellprojekts im Saarland 3). Auch für Senioren scheint die Möglichkeit des CarSharing relevant zu sein (z. B. „60+-Projekt Car-Sharing“). 4)

CarSharing

Vorteile des CarSharing für Senioren und Menschen mit Schwerbehinderung

Das CarSharing bietet, sowohl für Menschen mit Behinderung, als auch für betagtere Menschen Vorteile. Der bereits zitierte Artikel der „Badischen Zeitung“ und ein weiterer Bericht der „Deutschen Ärztezeitung“ erwähnen beispielsweise folgende Vorzüge:

  • CarSharing bietet den Betroffenen eine größere Flexibilität und Selbstständigkeit, da die Angewiesenheit auf Fahrdienste u. ä. entfällt.
  • CarSharing kann die „soziale Komponente“ in den Vordergrund rücken. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, die erstrebte gesellschaftliche Teilhabe zu erreichen (Anm. d. V.). Dies bedeutet, dass es in den jeweiligen Projekten, Vereinen und Genossenschaften nicht nur darum geht, die Menschen vom Startpunkt zum gewünschten Zielort zu befördern. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass den Nutzern auch Hilfeleistungen angeboten werden (dies geschieht beispielsweise in Form des Tragens von schweren Einkaufstaschen) und ggf. in Form des „Gesellschaft leisten“ (beispielsweise vor einer Therapie oder einem Arztbesuch). 5)
  • Im Rahmen eines Modellprojekts im Saarland können sich Menschen mit Schwerbehinderung (worunter auch häufig Senioren fallen) ohne Unkosten ein behindertengerechtes Fahrzeug ausleihen. Nach Angaben der Deutschen Ärztezeitung „(…) richtet sich [das hier erwähnte Modellprojekt] vor allem an Familien, in denen Menschen mit schwerer körperlicher Beeinträchtigung oder Mehrfachbehinderung leben und [welche] weder den öffentlichen Nahverkehr noch ein Fahrzeug nutzen können.“ Ziel diesbezüglich ist es, Menschen mit schwerwiegender Mobilitätsbeeinträchtigung ein erhöhtes Maß an Selbstbestimmtheit und Aktivität zu ermöglichen. 6)

Mögliche Nachteile des CarSharings für Menschen mit Behinderung und Senioren

Für das Modell des CarSharings können folgende Nachteile hinsichtlich der besonderen Zielgruppe von Menschen mit Behinderung und Senioren festgestellt werden:

  • Voraussetzung, um in den Genuss des CarSharings zu kommen, ist häufig die Mitgliedschaft in entsprechenden Vereinen oder Genossenschaften (u. ä.). 7) Außerdem besteht häufig ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis zur jeweiligen CarSharing-Organisation, die ja letztlich die Fahrzeuge und in diesem besonderen Fall einen Fahrer zur Verfügung stellen muss.
  • CarSharing ist nicht unentgeltlich zu haben. Im Pressebericht der Badischen Zeitung wird beispielsweise auf die Ausgabe eines Zeittarifes, einer Kilometerpauschale (je nach gefahrenen Kilometer) und des Mitgliedbeitrages in der CarSharing-Organisation verwiesen. Die beiden erstgenannten Beträge sind vom jeweils gewünschten oder notwendigen Fahrzeug abhängig. 8) Vor dem Hintergrund, dass gerade Menschen mit Behinderung überdurchschnittlich oft von Arbeits- bzw. Erwerbslosigkeit betroffen sind und im Vergleich zu nicht-behinderten Menschen über ein niedrigeres Haushaltsnettoeinkommen verfügen, ist dieses Manko nicht irrelevant. 9)

Insgesamt ist jedoch davon auszugehen, dass die Vorteile in diesem Zusammenhang überwiegen. Hinsichtlich der erwähnten Nachteile können Lösungen für nachfolgende Generationen durchaus gefunden werden (beispielsweise in Form von monetären Vergünstigungen im Bereich des CarSharings bei niedrigerem Einkommen).

CarSharing im Zusammenhang mit der Elektromobilität für die Zielgruppen der Menschen mit Behinderung und der Senioren

Elektromobilität

Für die Zukunft ist die Mobilität der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland sicherzustellen. Dabei gilt es „(…) hoch effiziente Fahrzeuge, die mit alternativen Energien betrieben werden können (…)“ bereitzustellen. Die Bundesregierung geht in ihrem „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ davon aus, dass „(…) Elektrische [sic.] Antriebe (…) große Potenziale zur Verringerung der Abhängigkeit von Erdöl als Energieträger, sowie zur Reduzierung von CO2- und lokalen Schadstoffemissionen [beitragen können]. (…).“ Insgesamt stellt die Elektromobilität für die Bundesregierung im Rahmen des „Integrierten Energie- und Klimaprogramms“ den wichtigsten Bestandteil dar. 10)

Die Anwendung von CarSharing und Elektromobilität für Menschen mit Behinderung und Senioren

Hinsichtlich möglicher Vorteile der Elektromobilität werden von der Bundesregierung folgende Komponenten angesprochen:

  • Mithilfe der Elektromobilität können CO2-Emissionen reduziert werden.
  • Die Abhängigkeit vom Erdöl wird im Bereich des Verkehrssektors deutlich gesenkt.
  • Hinsichtlich der ökonomischen Entwicklung könnte die Bundesrepublik im Bereich der technologischen Entwicklung Weltmarktführer werden.
  • Schädigende Emissionen, welche beispielsweise durch eine erhöhte Feinstaubbelastung entstehen, werden dezimiert.
  • Fahrzeugbetreibende Batterien können als Stromspeicher dienen und fördern erneuerbare Energien.
  • Der Elektromobilität wird eine verstärkte Anpassungsfähigkeit an moderne Stadtbilder und neue Mobilitätskonzepte vorausgesagt. Die Mobilität soll individueller und vielförmiger werden. 11)

Der letztgenannte Vorteil ist gerade, für die in diesem Beitrag relevanten Zielgruppen entscheidend. Neue Mobilitätskonzepte, wie das Modell des CarSharings, schützen in großem Umfang die Umwelt. Zudem gelten die bevorzugten Elektrofahrzeuge als nahezu lautlos, was wiederum gerade von Senioren vielfach gewünscht wird und deren Lebensqualität fördert. Außerdem favorisiert die Bundesregierung eine individuelle und vielfältige Mobilität der Bevölkerung (s. o.), wodurch gerade auf die Individualität und Homogenität der Gruppe der Menschen mit Behinderung eingegangen werden kann.

Nach Auffassung des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. ist hinsichtlich des Ausbaus der Elektromobilität in den kommenden Jahren nicht nur der Aspekt des Umweltschutzes zu berücksichtigen. Auch die Barrierefreiheit muss in der Forschung im Bereich der Elektromobilität Berücksichtigung finden, damit „(…) auch Menschen mit Behinderung die Möglichkeit haben, sich umweltfreundlich und individuell fortzubewegen.“ Vom Bund genehmigte Forschungsgelder sollen danach nur unter der Voraussetzung ausbezahlt werden, sofern die Barrierefreiheit integraler Bestandteil der Innovationsarbeit ist. Auf diese Art und Weise können fiskalische Mehrausgaben, sowohl auf Seiten der Bundesrepublik, als auch auf Seiten der betroffenen behinderten Menschen in späteren Zeiten verhindert werden. Die Achtung der Barrierefreiheit und die Umweltfreundlichkeit stehen nach Angaben des bereits erwähnten Bundesverbandes nicht in einem anzunehmenden Antagonismus. Eher wird davon ausgegangen, dass, sollte die Barrierefreiheit von Anfang an in der Technologieentwicklung Beachtung finden, Synergieeffekte erzielt werden können. 12) Außerdem können Menschen mit Behinderung, wie oben in der Einleitung beschrieben, dieselbe Lebensqualität und den gleichen Lebensstandard, wie nicht-behinderte Menschen erwarten 13), wodurch diese aufgrund des demographischen Wandels wachsende Personengruppe ebenfalls zur Zielgruppe von Elektromobilität wird. Analog gilt diese Annahme auch für Senioren, wobei sich die Zielgruppen (Menschen mit Behinderung und Senioren) oftmals überschneiden.

Insbesondere in ländlichen Regionen ist davon auszugehen, dass für Menschen mit Behinderung und Senioren, der Bedarf am sog. „Individualverkehr“ zunehmen wird. Nach dem „Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V.“ ist besonders darauf zu achten, dass ein selbstbestimmtes Fortbewegen dereinst möglich wird und bleibt. Hierbei könnte das hier ausführlich beschriebene CarSharing eine relevante und zukunftsträchtige Rolle übernehmen, da es die Mobilität (trotz der oben beschriebenen Nachteile, Anm. d. V.) enorm erweitern könnte. 14) Auch damit kann, wie oben beschrieben, die angestrebte soziale Teilhabe gefördert werden. Mithilfe der gleichzeitigen Praxisanwendung von Elektromobilität und des CarSharings können einerseits die natürlichen Ressourcen der Erde geschont werden, andererseits kann aber auch die Teilhabe und die Selbstbestimmung von behinderten Menschen und Senioren gesteigert werden. Dies unterstützt den Prozess des gesellschaftlichen Zusammenwachsens.

Literaturverzeichnis

Badische Zeitung (2013): „60+“-Projekt beim Car-Sharing. Online: URL: http://www.badische-zeitung.de/waldkirch/60-projekt-beim-car-sharing--16035916.html / [Datum der Recherche: 27.09.2013].

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.) (2011): Unser Weg in eine inklusive Gesellschaft. Der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Berlin.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.) (2008): Lebenslagen in Deutschland. Der 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung.

Bundesverband CarSharing (o. J.): Häufig gestellte Fragen. Online: URL: http://www.carsharing.de/alles-ueber-carsharing/faq / [Datum der Recherche: 27.09.2013].

Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. (2011): Mobilität barrierefrei und umweltfreundlich? Online: URL: http://www.bsk-ev.org/news/3836/elektromobilitaet/ / [Datum der Recherche: 27.09.2013].

Deutsche Ärztezeitung (2010): Saarland bietet Car Sharing für Schwerbehinderte. Online: URL: http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/article/593498/saarland-bietet-car-sharing-schwerbehinderte.html / [Datum der Recherche: 27.09.2013].

Die Bundesregierung (2009): Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität der Bundesregierung.

1) Vgl. Bundesverband CarSharing o. J..
2) Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2011, S. 10.
3) Vgl. Deutsche Ärztezeitung 2010.
4) Vgl. Z. B. Badische Zeitung 2013.
5) Vgl. Badische Zeitung 2013.
6) Vgl. Deutsche Ärztezeitung 2010.
7) , 8) Vgl. Badische Zeitung 2013.
9) Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2008, S. 162.
10) Die Bundesregierung 2009, S. 3.
11) Die Bundesregierung 2009, S. 8 – 9.
12) Vgl. Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. 2011.
13) Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2011, S. 10.
14) Vgl. Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. 2011.
senioren_und_schwerbehinderte.txt · Zuletzt geändert: 2013/10/22 11:55 von ssteiner